Ethnologie

Ludwig-Maximilians-Universität München
Fakultät für Kulturwissenschaften

Institut für
Ethnologie und Afrikanistik

Oettingenstr. 67
80538 München
Tel. +49 89 2180-9601
Fax +49 89 2180-9602
ethnologie[at]vka.fak12.uni-muenchen.de

Das kommentierte Vorlesungsverzeichnis ist ab sofort in der Buchhandlung Frank in der Schellingstraße und der Buchhandlung Hueber in der Amalienstrasse erhältlich.

Die kommentierten Verzeichnisse der Lehrveranstaltungen vergangener Semester sind im Archiv einsehbar.

Lehrveranstaltungen im WiSe 2005/06



Vorlesungen
Hauptseminare
Proseminare
Kolloquien
Sprachkurse
Tutorien


Vorlesungen

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Laubscher
Entstehung einer neuen Religion—Indonesien, 2stündig, Mi 8-10, Raum 1.14

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Entkolonialisierung von Indonesien ändern sich auch die Lebensbedingungen für die ethnischen Minoritäten in Indonesien grundsätzlich. Die neue Verfassung gewährt Religionsfreiheit. Auf politischer Ebene wird entschieden, was Religion unter dem Gesichtspunkt dieser Verfassung sein darf.

Über die Religion der Ngaju Dayak vor der Unabhängigkeit Indonesiens ist viel geschrieben worden. Von keiner anderen ethnischen Minorität Indonesiens verfügen wir über so gute Einblicke in die traditionelle Religion über eine so lange Zeit. Dieses Vorwissen ist erforderlich um die Entwicklungen hin zu einer neuen Religion zu verstehen und einordnen zu können, die in den letzten Jahrzehnten geschehen sind.

Literatur: Hans Schärer, August Hardeland und vor allem Waldemar Stöhr: Die Altindonesischen Religionen, (Handbuch der Orientalistik). Leiden/Köln 1976.

Paproth
Kulturhistorische Ethnologie: Leo Frobenius, Fritz Gräbner, P.W. Schmidt, A.E. Jensen, 1stündig, Mi 17.30s.t.-18.30, Raum 0.05

Als Reaktion auf den Evolutionismus des 19. Jahrhunderts trat, vorbereitet durch einige Arbeiten Friedrich Ratzels über die Verbreitung der "Stäbchenpanzer" und von Pfeil und Bogen, 1898 nach Erscheinen von Leo Frobenius' "Ursprung der afrikanischen Kulturen" die historisch orientierte Völkerkunde, die sogenannte "Kulturkreislehre", in die Welt. Fritz Gräbner, P.W. Schmidt, A.E. Jensen, Hermann Baumann (um nur einige wenige deutschsprachige Vertreter zu erwähnen) spielten bis in die 60er Jahre eine hervorragende Rolle. Auf diese "historische" Völkerkunde, die bald die "Kulturkreislehre" aufgab, soll in der Vorlesung ausführlich eingegangen werden, wobei die Kritikpunkte, die an dieser Richtung reichlich geübt wurden, besonders hervorgehoben werden sollen.

Literatur:
Mühlmann, W.E.: Homo creator. Wiesbaden 1962.
Zwernemann, J.: Culture History and African Anthropology. Uppsala 1983.
Petermann, W.: Die Geschichte der Ethnologie, Wuppertal 2004.

Heidemann
Einführung in die Ethnologie, 2stündig, Mo 9-11, Raum E51, Schellingstr.3, Beginn: 24.10

Pflichtveranstaltung für alle Haupt- und Nebenfachstudierenden der Ethnologie.

Der Gegenstand der Ethnologie hat sich in den vergangenen Jahren ebenso gewandelt wie die Fragen, die an sie gerichtet werden. Die Vorlesung soll den Studierenden der Anfangssemester zunächst als Überblick die methodische Vielfalt und die thematische Breite des Faches vorstellen, um dann ausgewählte Bereiche exemplarisch zu vertiefen. Ziel der Vorlesung ist neben der Vermittlung der theoretischen Hauptströme und der grundlegenden Fachterminologie vor allem ein kritischer Umgang mit dem eigenen Fach.

Ein Reader mit der Pflichtliteratur ist in der 'Kopierbar' in der Kaulbachstraße/Ecke Veterinärstraße erhältlich.


Hauptseminare

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Laubscher
Der Tsunami und seine Folgen in Indien, 2-stündig, Do 8-10, Raum 0.05

Der Tsunami bietet Anlass aufzuarbeiten, welche ethnischen Teile der jeweiligen Bevölkerung innerhalb der am schwersten betroffenen Staaten von der Katastrophe am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden sind und was für Solidargemeinschaften auf der einen Seite entstehen sowie welche Spannungen auf der anderen sich aufbauen bzw. verstärken.
Überdies zeigen die verschiedenen Hilfsaktionen, die sich für die vom Tsunami ins Unglück gestürzte Bevölkerung einsetzen, welche Bedeutung ethnologischer Kenntnis zukommt bzw. welche Fehler es zu vermeiden gilt. Es geht um einen Ausschnitt der 'Action Anthropology', mit dem wir in diesem Hauptseminar uns auseinandersetzen werden.

Paproth
Himmelszelt und Straußenjagd. Astronomische Vorstellungen im Kulturvergleich, 2stündig, Do 14-16, Raum 0.05

Die Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra soll den Anlass bieten, die frühe Astronomie - soweit Zeugnisse dafür vorliegen - zu behandeln. Leider gibt es über die völkerkundlichen Vergleichsmaterialien, die bei den Archäologen kaum bekannt sind (vgl. z. B. die auf einem Lederschild gemalte Sternenkarte der Pawnee-Indianer), keine umfassende Monographie, sondern nur Einzeluntersuchungen für bestimmte Regionen und Völker (Wischniewski, eine frühe Arbeit über afrikanische Sternbilder, R. Lehmann-Nitsche, besonders seine in vielen Folgen erschienenen Arbeiten zur Astronomie Südamerikas, Otto Zerries, Hans Findeisen, Uno Harva, Bo Lundmark, der sehr ausführlich die samischen (lappischen) Belege zusammengestellt hat usw.). Auch die steinzeitlichen Belege (Marshak, Okladnikov) sowie die frühen Überlieferungen und Darstellungen aus China, Ägypten, Mesopotamien und vielen anderen Gegenden sollen berücksichtigt werden (vgl. auch die Arbeiten von Rolf Müller). Auf astrologische Vorstellungen, die schon früh auftreten, kann hier bestenfalls am Rande eingegangen werden, da das hierüber vorliegende Material den Rahmen des Seminars sprengen würde.
Eine ausführliche Literaturliste soll zu Anfang des Semesters ausgegeben werden.
Zum Titel: Das "bestirnte Himmelszelt" ist aus vielen Kulturen überliefert; ebenso die "himmlische Straußenjagd" (Sternbild des "Großen Bären", das im Norden tatsächlich als von Jägern verfolgter Bär oder Cervide erscheint), sie seien hier als weit verbreitete Beispiele erwähnt, die auch im religiösen Weltbild eine Rolle spielen.

Paproth
Die Regenbogenschlange. Zur Völkerkunde Australiens, 2stündig, Do 16s.t.-17.30, Raum 0.05

Von allen Kontinenten ist Australien (inklusive Tasmanien) der einzige, auf dem zum Zeitpunkt der Entdeckung ausschließlich Wildbeuterkulturen ansässig waren. Die Kolonialisierung Australiens wurde von den europäischen Siedlern sehr grausam mit gezielter Ausrottungspolitik an den Ureinwohnern durchgeführt. Danach war es nicht überall mehr möglich, gründliche ethnologische Forschungen durchzuführen, so dass wir von vielen Völkern vor ihrem Aussterben nur über unzureichende Berichte verfügen. Dies trifft ganz besonders auf das tragische Schicksal der Tasmanier, aber auch zahlreicher australischer Ethnien zu, von deren bunter Vielfalt nur allzuwenig geblieben ist.

Literatur:
Ferdinand Herrmann, Völkerkunde Australiens. Mannheim 1967, bietet einen Gesamtüberblick aus der reichhaltigen Literatur.

Heidemann
Oberseminar: Theorien, 1stündig, Mo 18-20, Raum 0.15, 14tg. Beginn: 24.10.2005

Dieses Oberseminar ist geeignet für Absolventinnen und Absolventen der Ethnologie im Berufsleben und geladene Gäste. Es handelt sich um einen Arbeitskreis zu grundsätzlichen Problemen der ethnologischen Theoriediskussion.

Heidemann
Postkoloniale Gesellschaft in Südindien, 2stündig, Di 16-18, Raum 1.05

Die Postcolonial Studies richten ihr Augenmerk auf jene Aspekte von Kultur und Gesellschaft, die im kolonialen Kontext entstanden sind, und bis in die Gegenwart in subtiler oder offensichtlicher Form wirkungsmächtig sind. Dabei handelt es sich sowohl um Wissen, Klassifikationen und Institutionen, als auch um Abhängigkeiten und sozialen Formationen. Die Südasienethnologie beschäftigt sich seit einigen Jahren mit diesen Themen. An ausgewählten Fallbeispielen wird die Gesellschaft in Südindien unter diesen Aspekten untersucht.

Ein Reader mit der Pflichtlektüre ist in der "Kopierbar" in der Kaulbachstraße/Ecke Veterinärstraße erhältlich.

Heidemann/Bayer / Engl / Trümper
Praxis des ethnologischen Films, Projektseminar 26./27.11.05, 2stündig, siehe Kommentiertes Verzeichnis oder Schwarzes Brett!

Zweisemestrige Veranstaltung (Blockseminar) im WS 2005/06 und SS 2006

Das Seminar wendet sich an Studierende mit einem Schwerpunkt in Audiovisueller Anthropologie, die bereits an einem praktischen Filmseminar im Fach Ethnologie teilgenommen haben und mit Kamera-, Ton- und Schnitttechnik vertraut sind. Eine Bewerbung mit einer Projektidee, in einer bereits bestehenden Gruppe zu zweit oder dritt, ist erforderlich. Die Studierenden können für ihre Projekte die technische Ausrüstung des Instituts nutzen. Die Filme werden (bei entsprechender Qualität) auf dem afk (Aus- und Fortbildungskanal München) ausgestrahlt. Bei Bedarf ist der Erwerb eines Pro- oder Hauptseminarscheins möglich. Dazu muss zusätzlich zum Film eine schriftliche Arbeit erstellt werden.

Als Teilnehmer realisieren Sie weitgehend selbstständig ethnologische Filmprojekte, werden dabei jedoch inhaltlich und technisch betreut. Das Seminar beginnt mit einer zweitägigen "Klausurtagung" am Wochenende vom 26. und 27. November, die für alle Teilnehmer Pflicht ist. Hier werden Sie Ihre Projekte vorstellen und wir diskutieren sowohl theoretische, als auch praktische Fragen der Realisierung auf Basis von Texten, die Sie bei der Anmeldung zum Seminar erhalten. Danach arbeiten Sie selbständig in Gruppen und werden zu bestimmten "Meilensteinen" und je nach Bedarf dabei unterstützt. Die Filme sollen Ende des SS 2006 fertig gestellt sein und der (Instituts-) Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Voraussetzung:
- mindestens ein Gruppenmitglied muss bereits an einem praktischen Filmseminar am Institut für Ethnologie und Afrikanistik teilgenommen haben
- sicherer Umgang mit Kamera, Ton und Schnitt durch jeweils mindestens ein Gruppenmitglied

Bewerbung:
- Projektskizze, aus der Thema, evtl. bereits Protagonisten und Ideen zur Umsetzung, sowie ungefähre Drehzeit und Drehort hervorgehen (max. 3 Seiten)
- Kurzvita der Gruppenmitglieder (Name, Anschrift, Telefon, Email, Haupt- und Nebenfächer, Semesterzahl, Studienschwerpunkte, Erfahrung in Audiovisueller Ethnologie und Feldforschung, relevante praktische Erfahrungen bzgl. Film)
- bitte bis spätestens 31.10.2005 per Email an juliabay[at]web.de und andrea_engl[at]web.de
- Projekte, die nicht in der Münchner Umgebung realisiert werden können, müssen leider mit eigenem Kamera-Equipment gedreht werden.

Julia Bayer - Baaderstr. 19 - 80649 München - 089-2016001 - juliabay[at]web.de
Andrea Engl - Klenzestr. 97 - 80469 München - 089-2012457 - andrea_engl[at]web.de
Arno Trümper - Reifenstuelstr. 13 - 80469 München - 089-76702335 - info[at]truemper.com

Heeschen
Neuere Forschungsliteratur zu Papua Neuguinea, 2stündig, Fr 10-12, Raum 0.37

Für einzelne Ethnien Neuguineas gibt es hervorragende Monographien. Ebenso gut und umfangreich wurden einzelne Themen wie "Religion" oder "Krieg" behandelt. Was fehlt, ist wirklich vergleichende, abstrahierende Arbeit, wenn sie denn überhaupt möglich ist in einem Gebiet, in dem Individualismus als bewusste Wahl vorgeschlagen wurde. Vergleichende Arbeit sollte über die Vorworte zu Sammelbänden hinausgehen. Wenn z.B. von Religion oder Kunst Neuguineas die Rede ist, ist meistens von ganz bestimmten Gebieten und einzelnen Ethnien die Rede. Das HS wird versuchen, die vorhandenen Ansätze für Vergleich und verallgemeinernde Typologie oder areale Charakteristik zu verfolgen und zu diskutieren.

Demmer
Writing for/against Culture. Zur jüngeren Debatte um den Kulturbegriff in der Ethnologie, Blockseminar, Vorbesprechung Mo 7.11.05, 12-14 Uhr, Raum 0.05; Fr. 3.2. u. 10.2.06, 13-18, Raum 0.37, Sa 4.2., 10-17, Raum 1.05 und 11.2.06, 10-17, Raum 1.27

Der Begriff 'Kultur' gehört zu den zentralen Konzepten der Ethnologie. Die Arbeiten von C. Geertz seit den späten 60er Jahren haben dem Begriff darüber hinaus eine bis dahin nicht gekannte Bedeutung zugesprochen. Vor dem Hintergrund hauptsächlich seines Werkes entwickelte sich dann seit den 80er Jahren eine lebhafte Debatte um 'Kultur' und damit auch um das Selbstverständnis des Faches. Maßgeblich angestoßen von der sog. "Krise der Repräsentation" empfängt diese Kontroverse heute eher von anderen Seiten, wie der historischen Ethnologie, der politischen Ethnologie und den "Cultural Studies" maßgebliche Impulse. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die einen, wenngleich modifizierten, Kulturbegriff nach wie vor für unverzichtbar halten. Das Seminar stellt diese jüngste Debatte - nach der "Krise der Darstellung" - in den Mittelpunkt.
Die Literatur wird in der Vorbesprechung zum Seminar bekannt gegeben. Erwartet wird, dass die TeilnehmerInnen, neben ihrem Referat, in der Zeit zwischen Vorbesprechung und Blockseminar zentrale Texte lesen und als Exzerpte vorbereiten. Diese bilden den Ausgangspunkt der Diskussion im Seminar (und sie sind notenrelevant).

Hornbacher
Dewi Sri auf dem Weltmarkt. Ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Wechselwirkungen am Beispiel der 'green revolution', Blockseminar, Vorbesprechung: Mo 17.10.05, 16-18 Uhr, Raum 1.05; Fr 14.1./28.1.06, 15-19, Raum 1.27, Sa 15.1./29.1.06, 10-17, Raum 1.27

Der Begriff �green revolution' bezeichnet den systematischen Umbau der traditionellen Landwirtschaft durch den Einsatz ertragreicherer Pflanzenarten und moderner Agrartechnologien. Doch was in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als rationale und daher interkulturell probate Maßnahme gegen den Hunger in so genannten �Entwicklungsländern' proklamiert wurde, hatte ambivalente ökologische, soziale und kulturelle Konsequenzen zur Folge.
Das Seminar soll anhand indischer und südostasiatischer Beispiele den Konsequenzen und Konflikten im Gefolge dieser agrarökonomischen Industrialisierung nachgehen und v.a. untersuchen, wie deren problematische Konsequenzen zu einer kritischen Neubesinnung auf indigene Entwürfe von Natur und Lebenswelt geführt haben. Ausblicke auf die biotechnologischen Revolutionen gegenwärtiger Landwirtschaft sind möglich, das Hauptziel des Seminars ist es jedoch, ein Stück� Globalisierungsgeschichte' avant la lettre zu reflektieren, um daran ein Bewusstsein für die komplexe Wechselwirkung zwischen kulturspezifischen Weltentwürfen und einer scheinbar wertneutralen technisch-ökonomischen Rationalität zu entwickeln.
Teilnahmebedingung ist die Bereitschaft zur Lektüre sowie die aktive Mitgestaltung im Rahmen eines kurzen Vortrags.
Der Semesterplan und eine Literaturliste werden bei der Vorbesprechung verteilt.


Proseminare

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Laubscher
Kalimantan, 2stündig, Di 8-10, Raum 1.14

In Kalimantan, wie die Insel Borneo in Indonesien heißt, leben im Inneren verschiedene traditionale Ethnien, die zu den am besten erforschten in Indonesien zählen. Die Aufgabe dieser Veranstaltung ist es, Grundkenntnisse über diese Dayak genannten Gruppen zu erhalten, die Besonderheiten und Gemeinsamkeiten untereinander und mit den Nachbarn in Indonesien und Malaysia kennen zu lernen und zu erarbeiten, womit sich die ethnologische Forschung zu den Dayak befasst hat.

Paproth
Die Ethnologie der Samen (Lappen), 2stündig, Di 14-16, Raum 0.05

Das anzahlmäßig kleine Volk der Samen lebt heute in vier Ländern: Norwegen, Schweden, Finnland, Russland. Eigentlich müsste man von mehreren Völkern sprechen, da die sprachliche Differenzierung sehr groß ist. Berichte über die Lebensweise der Samen, besonders über ihr geistiges Leben, setzen erst im 16. Jahrhundert ein, als Johannes Scheffer 1673 seine "Lapponia" veröffentlichte, ein Werk, in dem das gesamte Wissen zum damaligen Zeitpunkt zusammengefasst war. Die weitere Forschungsgeschichte bis zur heutigen Situation wird ausführlich behandelt werden.
Die Samen waren (und sind auch noch heute) Rentierzüchter, gehören also zu den Nomadenkulturen am Nordrand der Alten Welt.
Besonders in den letzten Jahrzehnten waren die Samen einem die gesamte Lebensweise erfassenden Akkulturationsprozess unterworfen. Erstmalig in ihrer Geschichte haben die Samen während dieser Anpassungsphase an die Moderne ein auch politisch sich auswirkendes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Über diesen noch andauernden Prozess und die gegenwärtige Lebensweise soll ebenso wie über die traditionelle Kultur gesprochen werden.

Literatur:
Björn Collinder: The Lapps. New York: 1949.
Ö. Vorren/E. Manker: Die Lappen. Braunschweig: 1967.
T. Lehtisalo: Beiträge zur Kenntnis der Rentierzucht bei den Jurak-Samojeden. Oslo: 1932.
L. Vajda: Untersuchungen zur Geschichte der Hirtenkulturen. Wiesbaden: 1968.
Ernst Manker: Das Volk der acht Jahreszeiten. 1964 (kein Ort).

Paproth
Einführung in die Völkerkunde Nordamerikas: Inuit (Eskimo), 2stündig, Mi 16s.t.-17.30, Raum 0.05

Nordamerika als Urheimat zahlreicher Ethnien, die lange vor den Europäern dort eingewandert sind, ist von amerikanischen Anthropologen in "Kulturareale" aufgeteilt worden.
Das nördlichste dieser Kulturareale, die Arktis, wird von den Inuit bewohnt, die die Küstenbereiche von der Nordostspitze der Tschuktschen-Halbinsel in Asien, den Beringmeerinseln überall an den Küsten Alaskas und Kanadas bis nach Labrador und der West- und Ostküste Grönlands siedeln. Sprachlich gehören die auf der von Alaska ausgehenden Aleutenkette lebenden Aleuten als entfernte Verwandte dazu. Berichte über die Inuit setzen bald nach den ersten europäischen Entdeckungsreisen ein, so dass für die meisten Angehörigen des weit verbreiteten Volkes eingehende Nachrichten vorliegen (z.B. die großen Monographien von Knud Rasmussen und seinen Mitarbeitern). Die umfangreiche Literatur ist hauptsächlich in englischer, deutscher, französischer, dänischer, nur stellenweise in russischer Sprache veröffentlicht worden.

Literatur:
Handbook of North-American Indians, Vol. 5; Arctic, Washington D.C. 1984.

Heidemann
Grundkurs Politikethnologie, 2stündig, Mi 16-18,Raum 1.14

Die Politikethnologie (oder politische Anthropologie) beschäftigt sich mit den Aspekten von Gesellschaft, die in modernen Nationalstaaten als politischer Teilbereich benannt, weitgehend isoliert und somit ausgelagert wurden. Was Europäern als politisch erscheint, also öffentliche Belange verbindlich und legitim regelt, ist in nicht-staatlichen Gesellschaften meist Teil einer ganzheitlichen Ordnung und mit religiösen, verwandtschaftlichen oder anderen Aspekten untrennbar verbunden. Diese Ordnungen werden - in Gegensatz zu einem verfassten parlamentarischen System - von den Menschen, die in ihnen leben, als gegeben erachtet, sie sind in sich schlüssig und logisch und fügen sich in ein übergeordnetes sinnstiftendes System. Unter Einbeziehung der eigenen Gesellschaft werden im Rahmen des Seminars die vielfältigen Formen der Führerschaft, ihre gesellschaftliche Legitimation sowie die symbolische Repräsentation von Herrschaft und Macht thematisiert.
Reader zum PS können zu Beginn des Semesters in der Kopierbar in der Kaulbachstraße (Ecke Veterinärstraße) erworben werden.

Schubert
Typologie afrikanischer Sprachen, 2stündig, Mo 8-10, Raum 0.11, Beginn: 24.10.2005

Überblick über wichtige typologische Konstellationen unter den Sprachen Afrikas: nominale Kategorisierungssysteme, Kasusmarkierungen, Tempus-Aspekt-Modus-Systeme, Wortstellungstypen, Verbserialisierung, phonologische Typologie. Mit diesem Kurs soll auch eine gewisser Überblick über die allgemeine sprachliche Situation in Afrika verbunden sein. Zum Verständnis der linguistischen Literatur ist ernsthafter Arbeitseinsatz erforderlich.

Maximale Teilnehmerzahl: 30. Anmeldung unter Klaus.Schubert@lrz.uni-muenchen.de oder in der Sprechstunde.

Heine, Bernd (1976) A Typology of African Languages based on the Order of meaningful Elements, Berlin : Reimer
Croft, W. (1990) Typology and universals, Cambridge : Cambridge University Press
Shibatani, M. & Bynon, Th. [Hrsg.] (1995) Approaches to language typology, Oxford : Oxford University Press
Siewierska, Anna & Song, Jae Jung [Hrsg.] (1998) Case, Typology and Grammar : in honor of Barry J. Blake, Amsterdam : Benjamins
Heine, Bernd & Nurse, Derek [Hrsg.] (2000) African Languages : An Introduction, Cambridge : Cambridge University Press
Dixon, R.M.W. & Aikhenvald, A. [Hrsg.] (2002) Word : A Cross-linguistic Typology, Cambridge : Cambridge University Press

Schubert
Afrikanistik im deutschsprachigen Raum, 2stündig, Di 8-10, Raum 0.11

Aus Anlass des nächsten "Afrikanistentages" in München wird die Geschichte und die gegenwärtige Lage der Afrikanistik diskutiert. Dazu gehören grundlegende Überlegungen zur Definition und zur Rolle der Afrikanistik, zu ihrem Verhältnis zu benachbarten Disziplinen und ihre internationale Vernetzung.

Die Planung des Afrikanistentages kann dabei als Modell dienen.

Schubert
Politik und Sprache, 2stündig, Mi 8-10, Raum 0.37

Was haben Sprache und Politik miteinander zu tun? Welchen Einfluss nimmt Politik auf Sprache und was kann damit bezweckt werden? Umgang von Politik mit Vielsprachigkeit und mit nationaler Identität; Sprachpolitik unter kolonialen und postkolonialen Verhältnissen; offene und verschleierte Sprachpolitik; .... Zu diesen Themen und zu Themen, die aus dem Kreis der Teilnehmer vorgeschlagen werden, sollen Referate und Diskussionen gehalten werden.
Ein weiterer Zugang ergibt sich aus der Betrachtung von Einzelfällen zu einer Reihe von afrikanischen Ländern.

Die Fähigkeit, Französisch zu lesen, ist hilfreich.

Calvet, Louis-Jean (2002) Linguistique et colonialisme, Paris : Payot
Bamgbose, Ayo (1991) Language and the Nation. The Language Question in Sub-Saharan Africa. Edinburgh : Edinburgh University Press for the Intern. African Institute.
Reh, Mechthild & Heine, Bernd (1982) Sprachpolitik in Afrika, Hamburg : Helmut Buske.

Schubert
Hausa Strukturkurs I, 2stündig, Mi 10-12, Raum 0.11

Das Hausa ist die wichtigste Verkehrssprache in Westafrika und gleichzeitig eine der "großen" Sprachen des Kontinents mit vermutlich 30 Mio Muttersprachlern und einer sehr lebhaften Verwendung in den Druck- und Funkmedien.

Die linguistische Literatur über das Hausa ist inzwischen unüberschaubar geworden. Für diesen Kurs werden die Unterrichtsmaterialien aus verschiedenen Quellen zusammengetragen; wesentliche grammatische Darstellungen gibt es wie folgt:

Jaggar, Philip (2001) Hausa, Amsterdam; Philadelphia : J. Benjamins
Newman, Paul (2000) The Hausa language. An encyclopedic reference grammar New Haven: Yale University Press
Wolff, Ekkehard (1993) Referenzgrammatik des Hausa zur Begleitung des Fremdsprachenunterrichts und zur Einführung in das Selbststudium Münster u.a. : Lit Verlag

Knorr
Cyberanthropology, 2stündig, Mi 12-14, Raum 1.27

Cyberanthropology ist die ethnologische Betrachtung der Beziehungen zwischen dem Menschen und kybernetischen Systemen - in diesem Seminar Information and Communication Technologies (ICTs) im speziellen. Niemand wird den enormen Einfluss von ICTs auf unsere gegenwärtige Welt leugnen. Besonders der Personal Computer und das Internet beeinflussen auf vielfältige Weise massiv Politik, Ökonomie, Gesellschaft und Kultur weltweit. Daher ist es kaum verwunderlich, dass wissenschaftliche Disziplinen wie etwa Soziologie und Kommunikationswissenschaft seit den 1990ern dieses Feld bearbeiten. Gerade die Ethnologie besitzt ein enormes Potential, um das Verstehen der aufgeworfenen Problematiken voranzutreiben. Das zeigt sich beispielsweise in der Aneignung ethnologischer Konzepte wie 'Ethnographie' durch benachbarte Disziplinen, die sich mit ICTs beschäftigen. Das Proseminar bietet durch schrittweise Übertragung von ethnologischen Grundkonzepten eine Einführung in die Cyberanthropology.

Knorr
Grundfragen der Ethnologie, 2stündig, Do 14-16, Raum 1.14

Das Proseminar beschäftigt sich mit Fragen wie: "Was ist Ethnologie? Was ist Feldforschung? Wozu Ethnologie?" etc. Ziel ist eine grundsätzliche Klärung von Begriffen und Konzepten die wesentlich für ein Studium der Ethnologie sind; außerdem eine Standortbestimmung der Ethnologie als Wissenschaft und Studienfach, die der Orientierung der Studierenden dienen soll.

Böhmer-Bauer
Auswirkungen unterschiedlicher Tourismusarten auf lokale Bevölkerungsgruppen im regionalen Vergleich, 2stündig, Di 18-20, Raum 0.43

Anmeldung bis 17.10.05 info[at]boehmer-bauer.de

Die TeilnehmerInnenzahl ist auf 25 begrenzt, entscheidend ist die Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen.

Hinter dem verallgemeinernden Begriff "Tourismus" verbergen sich zahlreiche unterschiedliche Reisearten. Dazu zählen Badereisen, Studienreisen, Radreisen, Tauchreisen, Sexreisen, Trekkingreisen, Abenteuerreisen, Familienreisen, Ethno-Reisen, Safaris und Jagdreisen ebenso wie die Jahrtausende alten Pilgerreisen, Festtagsreisen, Handelsreisen oder Besuchsreisen.
Welche Bevölkerungsgruppen sind von den verschiedenen Tourismusarten auf welche Weise betroffen? Wie gehen Männer, Frauen, Ältere und Jüngere, ranghohe und rangniedrige Gesellschaftsmitglieder damit um? Wer sind die Initiatoren, wer sozial und wirtschaftlich die Nutznießer, wer die Verlierer? In welchen Bereichen wirkt sich Tourismus positiv, in welchen negativ aus? Werden Traditionen durch den Tourismus eher bewahrt oder vernachlässigt? Welche werden gegebenenfalls beibehalten, auf welche als erstes verzichtet und warum? Inwieweit ist die Umwelt von den verschiedenen Tourismusarten betroffen, ihre traditionelle Nutzung eingeschränkt oder nicht mehr möglich?
Ziel des Proseminars ist es, die Auswirkungen der diversen Reisearten auf die lokale Bevölkerung, ihre Traditionen und Umwelt regional zu vergleichen, um herauszufinden, ob spezifische Tourismusarten ähnliche Entwicklungen nach sich ziehen oder sich diese je nach Kultur der Bewohner der bereisten Länder unterscheiden - wenn ja wie und warum (z.B. Badetourismus auf Bali im Vergleich zum Badetourismus in Griechenland oder Dubai; Trekkingtourismus in Nepal versus Trekkingtourismus in Marokko oder den Alpen).
Die Teilnehmenden sollten bereit sein, persönliche Reiseerfahrungen in das Seminar einfließen zu lassen.

Einführungsliteratur:
Smith, Valene L.; Brent, Maryann 2001: Introduction. In: dies. (Hg.): Hosts and Guests Revisited: Tourism Issues of the 21st Century. New York. S. 1-11.

Habermeyer
Der Fußball und seine kulturelle Einbettung, 2stündig, Di 18s.t.-20, Raum 1.14

Fußball wird überall auf der Welt gespielt. Überall? Er wird, wenn er gespielt wird, überall gleich gespielt. Oder? Hat die Art Fußball zu spielen womöglich etwas mit den verschiedenen "Kulturen" auf der Welt zu tun? Kann man über den Fußball und die Art und Weise, wie er gespielt, wie er gelebt und erlebt wird, etwas über die verschiedenen Menschen in verschiedenen Gegenden dieser Welt erfahren? Warum wird z. B. heute noch ein gewisser Diego Armando Maradona im südlicheren Teil Italiens wie ein Heiliger verehrt? Wovon träumen Kinder auf den Bolzplätzen in Kamerun, in Peru oder in Korea? Kicking like Beckham all over the world? Hat die Tatsache, dass die französische Nationalmannschaft seit einigen Jahren mehr dunkelhäutige als so genannte weiße Mitspieler hat, etwas gegen den Rassismus in Frankreich beitragen können? Inwieweit war die südafrikanische Fußball-Nationalmannschaft wichtig für die ersten Jahre nach der Apartheid? Wie hängen Nationalstolz und Fußball zusammen und welche Rolle spielen dabei die von uns als "Ureinwohner" bezeichneten Menschen? Viele "unserer" Fußballspieler und Trainer sind abergläubisch, was sind die Fußballspieler und -spielerinnen in Afrika, in Lateinamerika, in Asien? Auch nur abergläubisch, wenn sie vor dem Spiel...? Was hat es mit den Mythen bei uns auf sich? "Der TSV 1860 ist ein Arbeiterverein!" Aha, aber warum war der TSV in unseliger Zeit nicht mehr blau, sondern ganz schnell sehr braun? Und warum vergisst man nur zu gerne, dass der 1. FC Bayern auch jüdische Wurzeln hat?
Diese und mehr Fragen werden wir im Seminar behandeln. Der Fußball soll uns hierbei an ausgewählten Beispielen helfen, ein bisschen mehr zu verstehen über das Leben und das Denken von Menschen auch in anderen Gegenden der Welt. Teilnehmen dürfen alle, die das interessiert. Mitbringen müssen sie jedoch, wie immer, die Bereitschaft, auch theoretische Texte zu lesen und in Gruppen zu arbeiten. Aus 30 Metern Entfernung eine Fliege auf dem Lattenkreuz treffen zu können, wird nicht vorausgesetzt. Schaden tut's aber auch nicht. Lesen zur Vorbereitung: alles was mit dem Fußball jenseits von Bundesliga und Tschämpions Lieg zu tun hat!

Herzog-Schröder
Verwandtschaft, Körper, Substanz. Theoretische Ansätze aus der Ethnologie zu kulturellen Erwartungen an familiäre Nachhaltigkeit, 2stündig, Do 12-14, Raum 1.27

"Der Körper als soziales Gebilde steuert die Art und Weise, in der Körper als physisches Gebilde wahrgenommen wird; und andererseits wird in der (durch soziale Kategorien modifizierten) physischen Wahrnehmung des Körpers eine bestimmte Gesellschaftsauffassung manifestiert."

Das Zitat von M. Douglas (1970) ist eines aus einer ganzen Reihe von ethnologischen Statements zu Körper als Symbol oder als Modell gesellschaftlicher Ordnung.
In der Hochphase der Verwandtschaftsethnologie (Ende des 19. und erste Hälfte des 20. Jahrhundert) wurde Verwandtschaft sehr stark in überpersoneller Hinsicht unter Aspekten der Legitimität erforscht. Die Krise der Verwandtschaftsethnologie um die Mitte des letzten Jahrhunderts ließ das Thema zunächst verstummen. Seit gut 20 Jahren gewinnt es mit verschobenen Schwerpunkten, wie z.B. hinsichtlich seiner gender- und Körperaspekte, wieder an Bedeutung. Mit der viel beschworenen "Auflösung der Familie" und der Hochkonjunktur der Bio- und Reproduktionsmedizin müssen verwandtschaftliche Paradigmen und Konzepte neu überprüft werden. Im Seminar zeichnen wir den Prozess der veränderten Blicke auf Verwandtschaft und "Ererbtes" nach.
Das Seminar ist geeignet für Studierende ab dem 3. oder 4. Semester. Lesefreudigkeit und rege Beteiligung am Unterrichtsverlauf sind Voraussetzung für den Erwerb eines Scheines. Die Anzahl der zu erwerbenden Scheine ist beschränkt! Anmeldung bis zum 20. September mit einem etwa einseitigen Motivationsstatement: Warum wollen Sie das Seminar besuchen? Was erwarten Sie sich von dem Seminar? bitte unter herzog-schröder@web.de.

Literatur:
- Helmig, Thomas 1993: "Verwandtschaft" in: Handbuch der Ethnologie. Hrsg.: Schweizer,
Thomas, Margarete Schweizer und Waltraud Kokot. Dietrich Reimer Verlag
- Carsten, Janet 2004: After kinship? Cambridge University Press
- Franklin, Sarah and Helena Ragoné (Hrsg.) 1998: Reproducing Reproduction: Kinship, Power, and Technological Innovation. Philadelphia, Pennsylvania
- Goody, Jack 1989: Die Entwicklung von Ehe und Familie in Europa. Frankfurt
- Hauser-Schäublin, Kalitzkus, Petersen, Schröder 2001: Der geteilte Leib. Die kulturelle Dimension von Organstransplantation und Reproduktionsmedizin in Deutschland. Campus

Hörbst / Kastner / Vogel
Aus Fleisch und Blut? Ansätze des Verstehens von Körperrealitäten, 2stündig, Blockseminar: Vorbesprechung Mi 19.10.05, 12-14, Raum 1.35; Fr 28.10.05, 14-18, Raum 1.35; Sa 29.10., 10-14, Raum 1.35; Sa 17.12./So 18.12.05/Fr.3.2./Sa 4.2.06, jeweils 12-18, Raum 1.35

Die körperliche Bedingtheit des Menschseins ist als weltweite Universalie zu betrachten. Doch wie die Körper erfahren, gelebt, konzipiert und verändert werden, variiert in Zeit und Raum. Hinzukommen Differenzen hinsichtlich der Körper und Körperlichkeit verschiedener Geschlechter und Altersgruppen.
Der Beschäftigung mit Leiblichkeit, Körperlichkeit und Körper kommt in der feministischen Ethnologie und in der Medizinethnologie große Bedeutung zu: Zum einen gelten körperliche Unterschiede als Grundlage der Differenzierung und Bedeutungszuweisung der Geschlechter, euro-amerikanische Vorstellungen werden teils unhinterfragt auf andere kulturelle Realitäten übertragen. Zum anderen wird die "Bearbeitung" des Körpers vorrangig der Biomedizin als Kompetenz zugewiesen, die ihrerseits maßgeblich an der Definition und Erfahrung von Körper teilnimmt. Darüber hinaus ist im euro-amerikanischen Raum die Bedeutung des individuellen Körpers im Hinblick auf Ästhetisierung, Fitness und als Objekt der Veränderung nach Wunsch zunehmend in den Vordergrund gerückt.
Welche Annäherungen an das menschliche Phänomen "Körper" lassen sich nun aus ethnologischer Perspektive erschließen?
Dieser Frage gehen wir mittels ethnographischer Studien und theoretischer Auseinandersetzungen aus feministischer und medizinethnologischer Perspektive nach.

Erfahrungsgemäß besteht ein sehr großes Interesses an medizinethnologischen Seminaren, weshalb dieses Proseminar auf insgesamt 30 TeilnehmerInnen beschränkt wird. Grundvoraussetzung zur Teilnahme ist die schriftliche Begründung (ca. 1 Seite), warum Sie gerade an diesem Proseminar teilnehmen möchten. Vergessen Sie bitte nicht die Angabe Ihres Hauptfaches, Ihrer Nebenfächer, die jeweilige Semesterzahl und ob Sie einen Schein erwerben möchten. Senden Sie Ihre Begründung bis 1. Oktober 2005 an hoerbst[at]lrz.uni-muenchen.de.

Empfohlene Einführungsliteratur:
Csordas, Thomas J. 1999. The Body`s Career in Anthropology. In: Moore, Henrietta L. (ed.): Anthropological Theory Today. 172-205. Cambridge
Lock, Margaret 1993. Cultivating the body: anthropology and epistemologies of bodily practice and knowledge. In: Annual Review of Anthropology, Vol. 22: 133-155

Ivanov
Sklavenhandel, Kolonialisierung, Nationenbildung, Globalisierung: Ethnologische Perspektiven auf grundlegende Fragen der Konstituierung des heutigen Afrika, 2stündig, Fr 14-18/14tg., Raum 1.31, Beginn: 21.10.2005

Welche politischen und soziokulturellen Wandlungsprozesse haben das heutige Gesicht Afrikas geprägt? Im allgemeinen Bewusstsein herrschen weitgehend stereotype Vorstellungen über Vergangenheit und Gegenwart des Kontinents. Im Seminar wollen wir uns aus ethnologischer Perspektive den grundlegenden Transformationsprozessen nähern, die zur Konstituierung des heutigen Afrikas geführt haben. Dazu zählen u.a. der Sklavenhandel und die Anbindung an den Weltmarkt, die Kolonialisierung und die Urbanisierung, die Entstehung postkolonialer Nationalstaaten und die gegenwärtige Globalisierungsphase. Indem sowohl die wichtigsten theoretischen Positionen als auch ausgewählte Fallbeispiele behandelt werden, bietet das Seminar einen Einblick in die gegenwärtige Diskussion über diese umfassenden Transformationen und ihre sozialen und kulturellen Folgen.
Als Vorbereitung wird die Lektüre afrikanischer Autoren empfohlen, die in ihren Werken die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts verarbeiten, insbesondere:

Achebe, Chinua. Things Fall Apart. (Erstausg. 1958.) Erweiterte Ausgabe mit Anmerkungen. London: Heinemann, 2000. (Dt: Okonkwo oder das Alte stürzt. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1982.)
Kourouma, Ahmadou. Die Nächte des großen Jägers. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 2000.

Jump
El-Maghreb al Aksa: Ethnologie, Religion, Politik und Materielle Kultur Marokkos, 2stündig, Do 14-16, Raum 1.27

Marokko, das "Reich des Westens", als welches das Land in der arabischen Welt bekannt ist, befindet sich in einer äußerst bedeutenden geopolitischen Lage und zwar im nordwestlichen Teil des afrikanischen Kontinents; nur eine Meerenge von 14 km trennt hier Afrika und Europa. Dieses zum morgenländischen Kulturkreis gehörende islamische Land hat trotz seiner Nähe zum abendländischen Europa seine Identität als eigenständiges kulturelles Gebilde bis in unsere Tage gut bewahren können. Marokko zeichnet sich nicht nur durch seine abwechslungsreichen geographischen Gegebenheiten aus, sondern vor allem auch durch seine vielfältigen Lebensweisen von Menschen verschiedener ethnischer Herkunft. Durch diese Charakteristiken geprägt, ist das vielschichtige maghrebinische Land seit geraumer Zeit zu einem für die Wissenschaft der Ethnologie interessanten Forschungsfeld geworden.
Das Hauptziel dieses Proseminars besteht in der Vermittlung von Wissen über Marokko und der Analyse von Themenfeldern aus dem Blickwinkel unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Folgende Bereiche werden behandelt: Geographie, Archäologie und Geschichte, Ethnologie (ethnische Charakteristiken, städtische und ländliche Bevölkerungsstrukturen), Religion (Staats- und Volksislam, Heiligenverehrung; besondere Fokussierung auf das Thema Islamismus), Politik (Monarchie/Demokratie, Stellung des Königs, politische Parteien und Verfassung, Beziehung EU-Marokko) und Materielle Kultur (Architektur und traditionelles Handwerk u.a.)
Literatur wird zu Beginn der Veranstaltung bekannt gegeben.

Kapfhammer
"Die Posaune wird erschallen ..." Ethnologische Perspektiven auf christlichen Fundamentalismus II, 2stündig, Do 18-20, Raum 0.05

Während sich der erste Teil dieses Proseminars vor allem mit dem "empowerment" beschäftigte, das sich die Anhänger christlich-fundamentalistischer Glaubensrichtungen in dieser Welt erhoffen, wird sich die Fortsetzung auf jene Tendenzen konzentrieren, die Szenarien des Weltendes, Phantasmen der Weltüberwindung und des Umsturzes bestehender Weltordnungen vor ihren Anhängern entwerfen. Wir werden uns dem Phänomen zum einen vonseiten der ethnologisch wohlbekannten Krisenkulte (millenaristische und messianistische Kulte, cargo-Kulte u.a.) annähern, welche sich ideologisch häufig am Kontakt mit Formen des Christentums entzündeten und sehen, wie vergleichbare Formen in westlichen Ländern wieder populär werden. Zum anderen werden wir einen Blick darauf werfen, wie die in ihrer Dynamik immer relevanter werdenden christlich-fundamentalistischen Strömungen mit Krisenentwicklungen wie wuchernden Megacities, AIDS und Umweltzerstörung umgehen.
Das Seminar ist für Anfänger geeignet, ein Besuch des ersten Teils ist keine Voraussetzung zur Teilnahme.

Kellner
Oralliteraturforschung in Afrika, 2stündig, Do 14-16, Raum 0.43

Das ethnologische Studium der mündlich überlieferten Literaturen in Afrika kann auf eine nunmehr 150-jährige Geschichte zurückblicken. Die Motivationen für die Beschäftigung mit oralliterarischen Zeugnissen aus Afrika wandelten sich im Laufe der Zeit. Begriff man mündliche Überlieferungen früher als Ausdruck eines anonymen und statischen "Volksgeistes", werden sie von der neueren Erzählforschung als dynamische Existenzformen betrachtet, die in einem performativen und soziokulturellen Kontext eingebettet sind. Dementsprechend sind die kommunikativen Aspekte des Erzählens ("Wer erzählt was, wann und warum?") in den Vordergrund gerückt. So hat man beispielsweise erkannt, dass in vielen afrikanischen Gesellschaften Mythen und Märchen als diskursive Medien verwendet werden, anhand derer die Menschen, an Bekanntem anknüpfend, neue Diskursstränge entwickeln und tradierte Kulturelemente sinnfällig mit der Moderne verbinden.
Das Proseminar möchte eine Einführung in verschiedene Themenfelder, Begrifflichkeiten und Theorieansätze der Oralliteraturforschung in Afrika geben. Ausführlich diskutiert werden sollen strukturalistische, hermeneutische und performative Theorieansätze, wobei die jüngere Kritik an den betreffenden Herangehensweisen und die von ihr hervorgebrachten Lösungsversuche mit einbezogen werden.

Literatur zur Einführung:
Finnegan, Ruth 1970 Oral Literature in Africa. Nairobi: Oxford University Press.
Möhlig, Wilhelm J.G. & Herrmann Jungraithmayr (Hrsg.) 1998 Lexikon der afrikanistischen Erzählforschung. Mit einem einleitenden Beitrag von Thomas Geider, unter redaktioneller Mitarbeit von Rose-Marie Beck & Andreas Eckl. Köln: Rüdiger Köppe.
Steinbrich, Sabine 1996 'Zur Geschichte der Oraturforschung in Afrika', Paideuma 42: 215-24.

Link
Angkor, 2stündig, Fr 10-12, Raum 1.14

In diesem Semester wird eines der größten Kulturdenkmäler dieser Welt im Mittelpunkt unseres wissenschaftlichen Interesses stehen: Angkor in Kambodscha.
Gemeinsam werden wir u.a. kosmologische Konzepte der Tempelanlage erarbeiten, mythologischen und historischen Ursprüngen nachgehen und indische Einflüsse untersuchen. Ein besonderes Augenmerk werden wir auf das Volk der Khmer legen, an dem einer der größten Genozide in der Geschichte der Menschheit verübt worden ist.
Wer ein Referat übernehmen möchte, möge sich bitte bis Anfang September per e-mail (Hilde.Link[at]vka.fak12.uni-muenchen.de) bei mir melden.

Münster
Einführung in die Ethnologie Südindiens, 2stündig, Mi 18-20, Raum 1.39

DAS SEMINAR MUSS LEIDER ENTFALLEN!

Das Seminar ist für Studierende der Ethnologie ab dem 3. FS geeignet. Aus Platzgründen ist die Teilnehmerzahl auf 20 beschränkt. Anmeldung bis Seminarbeginn unter
daniel.muenster[at]stud.uni-muenchen.de

Das Seminar führt in aktuelle Themen der Ethnologie Südindiens ein. Der Schwerpunkt wird dabei auf den Bundesstaat Tamil Nadu, den größten der vier südindischen Staaten gelegt. Tamil Nadu beherbergt mit seinen 55 Millionen Einwohnern eine große kulturelle, soziale und politische Vielfalt. Im Laufe des Seminars soll einerseits durch die Lektüre einer Reihe ethnologischer Mikrostudien, insbesondere Dorf- und Kastenethnographien und ihrer postkolonialen und feministischen Kritiken, ein Überblick über diese Vielfalt gewonnen werden. Andererseits sollen Versuche "die tamilische Kultur" als Einheit zu beschreiben betrachtet werden. Dabei rücken insbesondere der tamilische Nationalismus und die populäre Kultur Südindiens in den Blickpunkt.
Literatur:
Ein Reader mit ausgewählten Texten wird in der ersten Semesterwoche bereitgestellt.

Oberdiek
Pilgern im Hinduismus: Irdische und jenseitsbezogene Tauschprozesse und Reinigungen, Blockseminar: Vorbesprechung 19.10.05, 14-16, Raum 0.33; Fr/Sa 20./21.1.06. 10-18, Raum 0.33 und Fr 27.1., 10-18, Raum 1.13, Sa 28.1.06, jeweils 10-18, Raum 0.33

Hinduistisches Pilgern ist heute in Indien ähnlich verbreitet wie im europäischen Mittelalter christliches Pilgern - es ist ein Massenphänomen. Obwohl es nicht obligatorisch ist wie die 'Sa-kramente' (samskaras - Lebenszyklusriten), hat es dennoch einen hohen Stellenwert - Pilgern bietet den Menschen eine selbstbestimmte, Hilfe und Vorteile versprechende aktive Handlungsmöglichkeit (agency), in der deutlich wird, dass sie von den allgemeinen Prozessen des sozialen Lebens nicht zu trennen ist. Hier wird sowohl 'innerweltliche' (Gesundheit, Nachwuchs, berufliches Fortkommen, Wohlstand...) als auch 'außerweltliche' (Einsicht, Erlösung...) Hilfe gesucht, wofür Pilger Strapazen und Kosten auf sich nehmen und Zeit 'investieren'. Es wird beim Pilgern und am Pilgerort also etwas 'geopfert', es wird 'gebüßt' - und dafür werden Gegengaben, Resultate erwartet oder erhofft. Pilgern ist jedoch - unabhängig von religiösen Zwecken - immer auch eine Reise im allgemeinen Sinn, eine Bewegung vom Gewohnten zum Ungewohnten: Gerade in nicht-modernen Settings kann Pilgern auch eine Art des allgemeinen Wissenserwerbs sein; hier wird die Welt erfahren, Dinge, die noch nie gesehen und erlebt wurden; insofern kann Pilgern als frühe Form der Wissensgenerierung gesehen werden. Aber auch die 'andere Seite' soll thematisiert werden: religiöse Spezialisten (Priester, heilige Personen), Pilgerzentren mit ihren komplexen Strukturen und Prozessen - ebenfalls sowohl 'innerweltliche' (Finanzen, Macht, Konkurrenz, Beeinflussungsstrategien) als auch 'außerweltliche' (Theologie; z.B. auch das 'emische' System der symbolischen Vernetzung hinduistischer Pilgerzentren) Aspekte dieses insgesamt sehr komplexen Raumes.

Einführende Literatur:
Bharati, Agehananda, 1963: Pilgrimage in the Indian tradition. In: History of religion 3:135-167.
Burghart, Richard, 1985: The regional circumambulation of Janakpur. In: Pursartha 8:121-147.
Eck, Diana L., 1998: The imagined landscape: Patterns in the construction of Hindu sacred geo-graphy. In: Contributions to Indian sociology 32:165-188.
Oberdiek, Ulrich, 1993: Functions of Hindu pilgrimage: secular traits in tirtha yatra? In: Bhardwaj, S.M., G. Rinschede & A. Sievers (eds): Pilgrimage in the old and new World. (Geographia Religionum 8.) Berlin 1993: 105-117.
Sax, William, 1991: Mountain goddess. Gender and politics in a Himalayan pilgrimage. New York.

Pascht/Poll
Neuere Ansätze in der Rechtsethnologie, 2stündig, Do 18-20, Raum 0.33

In diesem Proseminar befassen wir uns damit, wie die Verfasser neuerer ethnologischer Arbeiten an die Thematik �Recht' herangegangen sind. Den Ausgangspunkt dafür bildet die Beschäftigung mit wichtigen klassischen rechtsethnologischen Ansätzen.
Folgende Gesichtspunkte stehen im Mittelpunkt der aktuellen sozialwissenschaftlichen Diskussion über Recht: Angesichts der Beobachtung, dass von gesetzgebenden Institutionen aufgestellte Gesetze nicht zwangsläufig eingehalten werden, stellen sich die Wissenschaftler die Frage nach Gründen für deren Missachtung oder Befolgung. Des weiteren ist im Zuge von prozessorientierten Analysen das Bewusstsein dafür gestiegen, dass lokale Akteure sich ihnen von oben auferlegte Gesetze aneignen und manipulieren können. Die Beschäftigung mit Recht in Kolonien und postkolonialen Staaten führte Autoren dazu, die Kodifizierung des �Gewohnheitsrechts' unter der Perspektive der �invention of tradition'-These zu betrachten. Andere Autoren befassten sich zum Beispiel mit den Themen �Eigentum und Besitz', �Identität' und �Rechtspluralismus'.
Wir beschränken uns in diesem Proseminar jedoch nicht darauf, Untersuchungen zu Rechtsformen, Rechtsvorstellungen und Rechtsrealität in außereuropäischen Gesellschaften zu diskutieren. Vielmehr soll der ethnologische Blick auch auf rechtliche Auffassungen und Praktiken in unserer eigenen Gesellschaft gerichtet werden. So sind beispielsweise Entwicklungen wie die Patentierung von Genomsequenzen oder auch die Herausbildung neuer Eigentums- und Besitzkategorien durch staatliche Eingriffe (Sozialversicherung, Festlegung von Fischereiquoten, ...) Themen, mit denen sich Ethnologen in jüngerer Zeit verstärkt beschäftigen.
Für die Teilnehmer des Seminars ist es erforderlich, für jede Sitzung einführende Texte (Pflichtlektüre) zu lesen, um sich eine Grundlage für die Diskussion der in den Referaten vorgestellten Themen zu erarbeiten.
Achtung: Für das Seminar ist eine Voranmeldung unter arnopascht[at]yahoo.de bis spätestens
3. Oktober 2005 erforderlich.

Literatur zur Einführung:
Benda-Beckmann, Franz von 2003: Rechtsethnologie. In: Beer, Bettina; Fischer, Hans: Ethnologie. Einführung und Überblick. Berlin: Reimer. S. 179-195.
Moore, Sally Falk (Hg.) 2005: Law and Anthropology. A Reader. Oxford u. a.: Blackwell.

Rosenstein
Afrikanisches Kino der Gegenwart, 2stündig, Do 18-22/14tg., Raum 1.05, Beginn: 27.10.05

Das afrikanische Kino ist in vieler Hinsicht mit globalen Kontexten verwoben: von der Finanzierung bis zur Rezeption werden die Grenzen der Kontinente überschritten. Das wirft Fragen nach der Authentizität und Identität im afrikanischen Kino auf: Was verstehen wir unter afrikanischem Film? Gibt es Charakteristika, die einen Film zu einem afrikanischen machen? Inwieweit ist das afrikanische Kino das theoretische Konstrukt einer westlich orientierten (Film-)Wissenschaft? Kann es sich nur im Gegensatz zu anderen Kinokulturen definieren oder existieren explizit afrikanische Dramaturgien, Bildsprachen und Erzählweisen? Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Analyse verschiedener afrikanischer Filme der Gegenwart und Theorieansätze wichtiger afrikanischer (Film-)Wissenschaftler sowie Exkurse in afrikanische Lebenswelten, die zwar allesamt keine endgültige Beantwortung der Fragen darstellen, jedoch Annäherungen zu Bilderwelten bieten, die wesentlich mehr enthalten, als das Bedürfnis nach Exotismus zu befriedigen.

Treiber/Kastner
Flucht und Migration aus Afrika, 2stündig, Mi 8-10, Raum 1.05

Dieses Proseminar untersucht aus ethnologischer Perspektive Fluchtgründe und -hintergründe, Fluchtstrategien, -verläufe und -wege, Hoffnungen und Wahrnehmungen, Illusionen und Desillusionierung jener afrikanischen Flüchtlinge, die das Mittelmeer zu überqueren und Spanien oder Gibraltar, die Inseln Malta oder Lampedusa lebendig zu erreichen suchen. Die Teilnahme an diesem Kurs erfordert kontinuierliche und umfassende Lektüre. Anfänger sind willkommen.

Achtung: Voranmeldung bis spätestens 17. Oktober 2005 unter griasna[at]hotmail.com

Literatur zur Einführung:
Richter, Roland: Flüchtlinge. In: Mabe, Jacob E. (Hrsg.): Das Afrika-Lexikon. Ein Kontinent in 1000 Stichwörtern. Wuppertal u.a. 2001. S. 181 r. Sp.-184 l. Sp.
Vorlaufer, Karl: Migration (Wanderung). In: Ebenda. S. 393 l.Sp.-399 r. Sp. sowie
Kibreab, Gaim: Pulling the Wool over the Eyes of the Strangers: Refugee Deceit and Trickery in Institutionalized Settings. In: Journal of Refugee Studies. 17/1. 2004. S. 1-26
Harrell-Bond, Barbara: Weapons of the Weak. Response to Kibreab. In: Ebenda. S. 27-28


Kolloquien

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Laubscher
Magistranden- und Doktorandenkolloquium, 2stündig, Mo 8-10, Raum 0.13, Beginn 24.10.2005

Das Magistranden- und Doktorandenkolloquium steht allen Examenskandidaten der Völkerkunde von der Phase der Planung der Magister-Hausarbeit bis zum Abschluss offen. Es bietet Gelegenheit, die Probleme vom Suchen eines geeigneten Themas an bis zur Ausarbeitung zur Sprache zu bringen und ausführlich zu diskutieren. Überdies werden allgemeine Gesichtspunkte bei der schriftlichen Gestaltung vom Einstieg in die Thematik über die Gliederung, die Präsentation der Fragen und Aussagen, das methodische Vorgehen bis zum Literaturverzeichnis besprochen. Häufig auftretende Schwächen von Erstlingsarbeiten werden ebenso erörtert wie die Wege, sie zu vermeiden.

Heidemann
Magistranden- und Doktorandenkolloquium, 2stündig, Di 18s.t.-19.30, Raum 0.13

In diesem Kolloquium werden neuere wissenschaftliche Ansätze sowie Magister- und Doktorarbeiten diskutiert. Eingeladen sind ausdrücklich auch die Studierenden im Hauptstudium, die auf der Suche nach einem Magisterthema sind.

Trümper
Ethnologische Filmreihe, 1stündig, Di 20s.t.-22, 14tg., Raum 1.05, Beginn: 25.10.2005

In der Reihe werden seit einigen Semestern Filme gezeigt, die für die Visuelle Anthropologie von Bedeutung sind. Im Wintersemester sollen Filmemacher und ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen ein Schwerpunkt des Interesses sein. Wir hoffen mehrere Dokumentarfilmer für unsere Reihe zu gewinnen, die ihre Filme vorführen und anschließend mit uns über ihre Arbeit diskutieren. Näheres wird jeweils über einen Aushang bekannt gegeben.

Amborn
Doktorandenkolloquium, 1stündig, Do 14-16, 14tg., Raum B 0.7, Beginn: 27.10.2005

Besprechung von Themen und Problemen von Dissertationen.

Prussat
Grundfragen und Perspektiven der Visuellen Anthropologie, 2stündig, Mo 19-22/14tg., Raum 0.15, Beginn: 17.10.2005

Aufbauend auf dem gleichnamigen Kolloquium des vorigen Semesters werden neuere theoretische und methodische Ansätze der Visuellen Anthropologie diskutiert. In der derzeit expandierenden Bildforschung gilt es, das Profil einer ethnologischen Perspektive zu schärfen und in den interdisziplinären Dialog einzubringen. Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Mitarbeiter und Doktoranden in der Ethnologie sowie an Kollegen aus den Nachbarwissenschaften. Fortgeschrittene Studierende, die sich bereits mit den Theorien zur Visuellen Anthropologie befasst haben, sind herzlich eingeladen. Teilnahme nur nach Voranmeldung.

M.Prussat[at]deutsches-museum.de


Sprachkurse

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Nitschke
Indonesisch für Anfänger I, 2stündig, Fr 10-12, Raum 1.35

Nitschke
Indonesisch für Fortgeschrittene, 2stündig, Fr 12-14, Raum 1.35

Temu
Kiswahili I, 4stündig, Di 18-20, Raum 0.05, Fr 13-15, Raum 0.05

Temu
Kiswahili III, 2stündig, Fr 15-17, Raum 0.05

WICHTIG: Proseminarscheine für Sprachkurse müssen benotet sein und sich auf mindestens vier Semesterwochenstunden beziehen. (z.B. Kiswahili I (vierstündig) oder Indonesisch I u. II für Anfänger (je zweistündig)). Unbenotete Sprachscheine sind Teilnahmebestätigungen und können nicht als Proseminarscheine anerkannt werden!


Tutorien

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Pascht
Einführung in die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens (Pflichtkurs für Hauptfach-Studierende), 2stündig, Mi 18-20, Raum 1.14

Geeignet für Studierende im Hauptfach in den ersten Semestern (Blockveranstaltung für Nebenfachstudierende siehe unten) - Pflichtkurs für Hauptfachstudierende

In diesem Einführungskurs werden Grundlagen wissenschaftlicher Arbeitstechniken vorgestellt. Unter anderem wird behandelt:
- Literatursuche und -beschaffung: Wie finde ich die passende Literatur zu einem Thema? Welche Bibliotheken sind wichtig?
- Fachspezifische Literatur: Einführungsliteratur, Wörterbücher, Bibliographien, Fachzeitschriften usw.
- Internet: Wie kann man das Internet für das wissenschaftliche Arbeiten nutzen? Wie findet man relevante Informationen?
- Texte lesen und exzerpieren: Wie gehe ich mit wissenschaftlichen Texten um?
- Vorträge: Referate, die allen nutzen ...
- Texte verfassen: Aufbau einer Seminararbeit, Zitieren, Literaturlisten und vieles mehr.
- Ablage: Ordnung ist das halbe (Studenten-)Leben?!
Diese Grundlagen werden durch mehrere kleine Übungsaufgaben, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Hause durchgeführt werden, gleich in die Praxis umgesetzt.
In den ersten Sitzungen wird das Ethnologiestudium in München vorgestellt - einschließlich eines kurzen Überblicks über den Aufbau des Studiums, die Veranstaltungsarten und die Lehrenden am Institut für Ethnologie und Afrikanistik.

Literatur (als begleitende Lektüre empfohlen):
Beer, Bettina; Fischer, Hans 2000: Wissenschaftliche Arbeitstechniken in der Ethnologie. Eine Einführung. Berlin: Dietrich Reimer.

Pascht
Einführung in die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens (Pflichtkurs für Nebenfach-Studierende), Blockseminar, Sa 14.1.06, 10-18, Raum 1.14

Die Themen dieser Blockveranstaltung entsprechen in großen Teilen denen des regulären Einführungskurses (s.o.). Es werden jedoch keine allgemeinen Grundlagen wissenschaftlicher Arbeitstechniken behandelt, sondern lediglich für das Fach Ethnologie spezifische Aspekte.
Sie sollten also Kenntnisse über diese allgemeinen Grundlagen von entsprechenden Kursen in Ihrem Hauptfach mitbringen. (Solche Grundlagen sind z.B.: Aufbau eines Referats und einer Seminararbeit, Texte lesen und exzerpieren, Grundlagen der Literaturrecherche.)

Murschhauser
Grundlagentexte zur Ethnologie, 2stündig, Do 12-14, Raum 1.05

Geeignet für Studierende vor der Zwischenprüfung.
Im Rahmen des Tutoriums werden zwischenprüfungsrelevante Texte und Einführungsliteratur zur Ethnologie behandelt. Aktive Teilnehmer erwerben einen Einblick in Bereiche der ethnologischen Theorie, Sozialethnologie, Wirtschaftsethnologie und Religionsethnologie. Das Seminar baut auf einer intensiven Auseinandersetzung mit Texten auf. In den Sitzungen werden mit den Studenten Texte diskutiert, die vorher von ihnen zuhause gelesen und durchgearbeitet werden.
Dementsprechend ist Lesebereitschaft eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme. Es wird empfohlen, Arbeitsgruppen zu bilden.

Einführungsliteratur:
Fischer, Hans (Hrsg.) (1998): Ethnologie. Einführung und Überblick. Berlin: Dietrich Reimer.
Kohl, Karl Heinz (1993): Ethnologie - die Wissenschaft vom kulturell Fremden. München: Beck.

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